Viel Spaß

Links

Zusatzseiten

Werbung

Gratis bloggen bei
myblog.de

Tierfabeln

Unteranderem Tierfabeln von griechische Dichter Äsop



Wer etwas Böses tun will, wird immer ein Argument finden, um es zu rechtfertigen.

Ein Wolf beobachtet ein Lamm, das an einem Bach seinen Durst löscht.
Fern von ihm, aber näher der Quelle, tut der Wolf das gleiche.
Er sucht nach einem Vorwand, das Lamm zu verschlingen, und
schreit: „Warum trübst du das Wasser, das ich trinken will?“
Das Lamm erwidert, das sei unmöglich: „Du stehst weiter oben am Bach.
Das Wasser fließt doch von dir zu mir, nicht umgekehrt.“
„Im letzten Jahr hast du mein Land angegriffen“, lässt der Wolf nicht locker, und
das Lamm versichert, es sei damals noch nicht einmal geboren gewesen.
„Du bist ein Meister in der Kunst, die anderen zu überzeugen,
aber dies sind doch nur Entschuldigungen“, sagt darauf der Wolf und tötet seine Beute.




Bitte niemanden um Hilfe, der es gewohnt ist zu verletzen.

Der Fuchs sprang über eine Schlucht, rutschte aus und
hielt sich an einem Dornenbusch fest, um nicht zu fallen.
Als er das Blut von seinen Pfoten rinnen fühlte, beschwerte er sich.
„Ich habe dich um Hilfe gebeten, und du hast mich verletzt.“
„Das ist deine Schuld“, entgegnete der Dornenbusch.
„Wusstest du nicht, dass ich dazu geboren wurde, diejenigen zu verletzten, die sich mir nähern?“




Mach nicht andere für dein Scheitern verantwortlich.

Der Fuchs hatte einen Riesenhunger.
Da sah er einen Weinstock mit vielen Trauben dran.
Er versuchte, die Trauben zu erreichen, aber sie hingen zu hoch.
Frustriert zog er weiter.
Um sich seinen Misserfolg nicht eingestehen zu müssen, brummte er:
„Die Trauben waren einfach noch nicht reif.“




Auch in aussichtslosen Situationen nicht aufgeben.

Zwei Frösche, die am Verdursten waren, kamen abends zu einem Bauernhof
und fanden dort eine Schüssel Milch.
Sie hüpften hinein und ließen es sich schmecken.
Doch als sie wieder ins Freie springen wollten,
war die Schüssel innen zu glatt,
und die Frösche rutschten in die Milch zurück.
Viele Stunden mühten sie sich vergeblich,
und ihre Schenkel wurden immer matter.
Da quakte der erste Frosch:
„Alles Strampeln ist umsonst, ich geb auf!“
Er versank in der Milch und ertrank.
Der zweite Frosch strampelte bis tief in die Nacht weiter.
Da fühlte er den ersten festen Butterbrocken unter seinen Füßen,
stieß sich mit letzter Kraft ab – und war frei.




Lasse nicht zu, dass deine Siege dich daran hindern, deine Grenzen zu erkennen.

Die Mücke sagte zum Löwen:
„Ich weiß, du bist stärker als ich, aber ich kann dich wahnsinnig machen.“
Und sie stach ihn den ganzen Tag lang in die Nase und
machte so seine großen Krallen und seine mächtigen Zähne lächerlich,
die gegen diese Qual nichts ausrichten konnten.
Stolz, dass sie den König der Tiere besiegt hatte,
flog die Mücke davon, um allen davon zu erzählen.
Doch gleich darauf geriet sie in ein feines Spinnennetz und wurde von der Spinne getötet.




Das Lamm und der Wolf
Ein Lämmchen löschte an einem Bache seinen Durst. Fern von ihm, aber nahe der Quelle, tat ein Wolf das Gleiche. Kaum erblickte er das Lämmchen, da schrie er: "Warum trübst du mir das Wasser, das ich trinken will?"
"Wie soll das möglich sein?", antwortete das Lämmchen schüchtern. "Ich stehe hier unten am Wasser, und du so weit oben. Das Wasser fließt mir doch zu. Und glaube mir, ich habe nicht die Absicht, dir etwas Böses zu tun!"
"Ei, sieh doch!", rief der Wolf. "Du machst es gerade, wie dein Vater vor sechs Monaten. Lämmchen, du warst doch dabei und bist nur glücklich entkommen, als ich deinem Vater das Fell für seine ungehobelten Schmähungen abgezogen habe."
"Ach, lieber Herr", flehte das zitternde Lämmchen, "ich bin ja erst vier Wochen alt und kannte meinen Vater gar nicht. Er ist ja schon so lange tot."
"Du unverschämtes Ding!", knurrte der Wolf mit vorgespielter Wut. "Tot oder nicht tot, weiß ich doch, dass euer ganzes Geschlecht mich hasst. Und dafür muss ich mich rächen."
Kaum hatte er das gesagt, stürzte sich der Wolf auch schon auf das Lämmchen, zerriss es und fraß es auf.



Das Kamel
Als die Menschen das Kamel zum ersten Male sahen, waren sie über die Größe des Tieres sehr erstaunt und flohen in alle Himmelsrichtungen.
Bald merkten sie aber, dass dieses Tier gar nicht so furchtbar war, wie sie es erwartet hatten. Es ließ sich sogar leicht bändigen. Da nahmen die Menschen das Kamel in ihre Obhut und verwendeten es zu ihrem Nutzen. Geduldig ließ es alles mit sich machen und ging jeder Gefahr geschickt aus dem Wege.
Das Kamel zeigte sich also trotz seiner Größe und Stärke nie widerspenstig, und es ließ sich jede Kränkung ruhig gefallen. Da fingen die Menschen an, es zu verachten. Sie legten dem Kamel Zaumzeug an und ließen es fortan von ihren Kindern leiten.




Das Rebhuhn und die Hühner

Ein Hühnerfreund kaufte ein Rebhuhn. Es sollte im Hof mit dem anderen Geflügel laufen, doch die Hühner pickten das Rebhuhn stets vom Fressen fort. Das Rebhuhn zog sich tief bedrückt in einen Winkel zurück, denn es fühlte sich fremd und allein gelassen.
Dann aber sah es, dass sich die Hühner auch untereinander pickten und scheuchten. Da sprach das Rebhuhn zu sich selbst: "Wenn diese Tiere ewig untereinander zanken und streiten, dann werde ich es wohl ertragen, wenn es ab und an auch mich trifft."




Das Pferd und der Esel

Ein Bauer hatte sein Pferd und seinen Esel gleichmäßig beladen und trieb sie zu Markte. Als sie schon eine gute Strecke gegangen waren, fühlte der Esel seine Kräfte schwinden. "Ach", bat er das Pferd kläglich, "du bist viel größer und stärker als ich. Und doch musst du nicht schwerer tragen als ich. Nimm einen Teil meiner Last, sonst werde ich bald am Boden liegen."
Hartherzig antwortete das Pferd: "Ich habe selbst genug an meiner Last zu tragen."
Keuchend schleppte sich der Esel weiter, bis er erschöpft zusammenbrach. Der Bauer drosch noch auf den Esel ein, aber er war schon tot. Da blieb nichts weiter übrig, als die ganze Last des Esels auf das Pferd zu packen. Auch wollte der Bauer noch etwas von dem Esel retten, zog ihm das Fell ab, und legte es dem Pferd oben auf.
Das Pferd bereute nun seine Hartherzigkeit und klagte: "Ach, wie leicht hätte ich dem Esel ein Stück Last abnehmen können. Wäre er noch lebendig, müsste ich nicht gleich alles tragen."




Der Adler und die Dohle

Ein Adler stürzte sich hoch aus der Luft auf ein Lamm. Er packte es mit seinen Krallen und trug es ohne Mühe davon.
Die Dohle hatte es mit angesehen. Sie glaubte ebenso stark wie der Adler zu sein, und darum flog sie auf einen Widder zu. Die Dohle bemühte sich redlich den Widder fortzubringen, doch sie verwickelte sich nur mit den Füßen in der Wolle.
Als der Hirte die Dohle so zappeln sah, schnappte er sie schnell mit der Hand. Dann stutzte er der Dohle die Flügel und nahm sie den Kindern als Spielzeug mit.
"Ei! Ei!", riefen die Knaben sehr erfreut, "wie nennt man diesen Vogel?" "Vor einer Stunde", sagte der Vater, "hielt sich dieser Vogel noch für einen Adler. Er musste aber bald einsehen, dass er nur eine kecke Dohle ist."





Der Adler und der Fuchs

Der Adler hatte sein Nest auf einer hohen Eiche und der Fuchs seine Wohnhöhle genau darunter. Diese Nachbarschaft hätte zu einer langen und guten Freundschaft führen können. Aber ach, wie wenig aufrichtig sie war!
Eines Abend war der Fuchs gerade auf Jagd. Der Adler hatte an diesem Tag noch keine Beute gemacht und musste mit seinen Jungen fasten. Da glaubte der Adler aus Hunger, dass er keine Rücksicht auf die Freundschaft nehmen müsse. Also stürzte er sich auf die jungen Füchslein, die vor der Wohnhöhle spielten. Der Adler trug sie in sein Nest und verschlang sie zusammen mit seinen Jungen.
Der Fuchs kam nach einiger Zeit zurück und vermisste seine Jungen. Schon bald ahnte er, was geschehen war. Ergrimmt und von Schmerz getrieben stieß der Fuchs laute Schmähungen gegen den Adler aus, der nun sein heftigster Feind geworden war. Und weil der Fuchs keine Mittel sah, sich zu rächen, flehte er den Zorn der Götter auf den Adler herab.
Mit kalter Miene schaute der Adler auf den Fuchs herunter, doch die Strafe sollte ihn bald ereilen. In der Nachbarschaft war nämlich ein Fest, und die Landleute opferten ihren Göttern. Als die Eingeweide angezündet wurden, flog der Adler hinzu, raubte nach seiner Gewohnheit ein Stück und trug es in sein Nest. Der Adler hatte aber nicht gesehen, dass noch glimmende Asche daran war. So fing das Nest schnell Feuer, weil auch noch ein heftiger Wind wehte. Und schon kurz darauf war das Nest von den Flammen vollkommen verzehrt. Die halbgebratenen Adlerjungen fielen herab, und der Fuchs verzehrte sie vor den Augen des Adlers.





Der Esel und das Pferd

Ein Esel bekam nach einer großen Anstrengung nicht einmal genug Streu, um seinen Hunger zu stillen. Ach, wie sehr wünschte er sich, mit einem prächtigen Pferd tauschen zu können. Denn der Esel hatte gesehen, dass dieses Pferd immer gut und im Überfluss gefüttert wurde.
Doch nach einigen Monaten erblickte der Esel dasselbe Pferd ganz lahm und abgezehrt an einem Karren. "Ist dies Zauberei?", fragte der Esel. "Beinahe", antwortete das Pferd traurig. "Eine Kugel traf mich, und mein Herr stürzte mit mir zu Boden. Zum Dank hat er mich für ein Spottgeld verkauft. Lahm und kraftlos, wie ich jetzt bin, wirst du mich sicher nicht mehr beneiden und mit mir tauschen wollen."





Der Frosch, die Ratte und die Weihe

Ein Frosch stritt mit einer Ratte um einen Sumpf. Der Frosch behauptete, dass der Sumpf schon immer ihm alleine gehört habe. Die Ratte wollte davon nichts wissen und forderte, dass der Frosch den Sumpf abtreten müsse. So gerieten sie hart aneinander.
Sie hätten aber besser daran getan, wenn sie sich in Frieden geeinigt hätten. Denn in der Hitze des Streites hatten sie nicht auf die Weihe geachtet, die in der Ferne lauerte. Der Greif flog tief über das Schilf und unbemerkt heran, fiel plötzlich über die beiden Kämpfer her und zerriss sie beide.





Der Fuchs und der Bock

Fuchs und Bock gingen an einem heißen Sommertag miteinander über die Felder, und der Durst quälte sie. Endlich kamen sie an einen Brunnen, doch es war kein Gefäß zum Wasserschöpfen da. Ohne zu zögern sprangen beide in den Brunnen und stillten ihren Durst. Nun erst begann der Bock umherzuschauen, wie er wieder herauskommen könnte. Der Fuchs beruhigte ihn und rief: "Nur Mut, mein Freund! Ich weiß einen Rat, der uns beide retten kann. Stelle dich auf deine Hinterbeine, stemme die Vorderbeine gegen die Wand und recke den Kopf weit in die Höhe. So kann ich leicht von deinem Rücken hinausspringen und auch dich retten!"
Der Bock tat alles ganz willig. Mit einem Sprung war der Fuchs gerettet und verspottete nun den Bock voll Schadenfreude. Dieser aber beschuldigte den Fuchs mit Recht der Treulosigkeit.
Dann nahm der Fuchs aber Abschied und sagte: "Ich sehe keinen Ausweg zu deiner Rettung, mein Freund! Höre aber zum Dank meine Ansicht: Hättest du so viel Verstand gehabt wie Haare im Bart, so wärest du nie in diesen Brunnen gestiegen. Du hättest vorher bedenken sollen, wie du wieder herauskommst!"




Der Fuchs und der Storch

Ein Fuchs hatte einen Storch zu Gast, und setzte ihm die köstlichsten Dinge vor. Die Speisen lagen aber nur auf ganz flachen Schüsseln, aus denen der Storch mit seinem langen Schnabel nichts fressen konnte. Gierig fraß der Fuchs alles alleine, obgleich er den Storch unaufhörlich bat, er solle es sich schmecken lassen.
Der Storch fand sich betrogen, blieb aber heiter. Er lobte die Bewirtung über alle Maßen und bat seinen Freund, am anderen Tag mit ihm zu essen. Der Fuchs mochte wohl ahnen, dass der Storch sich rächen wollte, und wies die Einladung ab. Der Storch aber ließ nicht nach, bis der Fuchs dann endlich einwilligte.
Als er nun am anderen Tag zum Storch kam, fand er alle möglichen Leckerbissen aufgetischt. Sie waren aber in langhalsigen Geschirren abgefüllt. "Folge meinem Beispiel", rief ihm der Storch zu, "und fühle dich so, als wenn du zu Hause wärest." Der Storch schlürfte nun mit seinem Schnabel alles alleine auf, während der Fuchs zu seinem größten Ärger nur etwas riechen und vom äußeren Geschirr ablecken konnte.
Hungrig stand er vom Tisch auf und gestand, dass der Storch ihm eine ordentliche Lektion für seinen Hochmut beigebracht habe.




Der Hahn und der Diamant

Ein hungriger Hahn scharrte auf einem Misthaufen nach Körnern und fand einen Diamanten. Verärgert stieß er ihn beiseite und rief: "Was nützt einem Hungrigen solch ein kostbarer Stein. Sein Besitz macht wohl reich, aber nicht satt. Wie gerne würde ich diesen Schatz für einige Gerstenkörner hergeben."




Der Haushahn und die Mägde

Ein gute, alte Bauersfrau weckte ihre Mägde jeden Morgen mit dem ersten Hahnenschrei.
Das frühe Aufstehen ärgerte die Mägde aber sehr. "Wäre der verzweifelte Hahn nicht da", schimpfte eine, "dürften wir auch länger schlafen." Also drehten sie dem Hahn eines Tages den Hals um.
Doch schon bald wünschten sie ihn ins Leben zurück, denn die alte Bauersfrau schlief nur noch wenig in der Nacht. Auch fehlte ihr die gewohnte Hausuhr, der Hahn. Und so kam es dann, dass die Bauersfrau die Mägde immer schon um Mitternacht weckte.



Der Hirsch

Ein einäugiger Hirsch weidete oft auf einer Wiese neben dem Meer. Das gesunde Auge richtete er dabei immer landwärts, denn von der Seeseite her erwartete er keine Gefahr. Das Schicksal hatte es aber anders beschlossen.
Eines Tages segelte ein Schiff an dem Hirsch vorbei. Und wieder hatte er sein gesundes Auge dem Lande zugekehrt. Kaum hatten die Schiffer die köstliche Beute erblickt, schossen sie auch schon Pfeile ab und trafen den Hirsch geradewegs ins Herz. Der Hirsch stürzte und rief noch mit dem letzten Atemzug: "Wie sehr habe ich mich getäuscht, nur vom Lande Gefahr zu erwarten."




Der Hund und das Stück Fleisch

Ein großer Hund hatte einem kleinen Hündchen ein dickes Stück Fleisch abgejagt. Mit seiner fetten Beute brauste der große Hund davon.
Als er aber über eine schmale Brücke lief, fiel sein Blick zufällig ins Wasser. Wie vom Blitz getroffen blieb er stehen und sah unter sich einen Hund, der gierig seine Beute festhielt.
"Der kommt mir zur rechten Zeit", knurrte der Hund auf der Brücke. "Mir scheint, der Andere hat ein Stück Fleisch, das noch größer ist als das Meinige."
Wild entschlossen stürzte sich der Hund kopfüber in den Bach und biss nach dem Hund, den er von der Brücke aus gesehen hatte. Das Wasser spritzte auf und der Hund spähte hitzig nach allen Seiten. Aber er konnte beim besten Willen den anderen Hund nicht mehr entdecken.
Da fiel dem Hund sein eigenes Stück Fleisch ein. Wo war es geblieben? Verwirrt tauchte er unter und suchte danach. Vergeblich! In seiner dummen Gier war ihm jetzt auch noch das Stück Fleisch verloren gegangen, das er schon sicher zwischen den Zähnen hatte.




Der Löwe, der Fuchs und der Esel

Ein Löwe, ein Fuchs und ein Esel gingen miteinander auf die Jagd. Sie waren überein gekommen, das die Beute redlich geteilt werden sollte.
Die Beute war groß, und der Löwe sagte dem Esel, er solle alles gewissenhaft aufteilen. Der Esel machte es so und bat den Löwen dann, zu wählen. Da zerriss der Löwe mit lautem Gebrüll den Esel und befahl dem Fuchs, neu zu teilen. Dieser häufte die ganze Beute zusammen, legte den Esel noch dazu und erbat sich nur ein kleine Wenigkeit für seine Mühe.
"Schön, mein Freund", raunte der Löwe. "Aber sage mir doch, wer hat dich so schön teilen gelehrt?" "Das Schicksal des Esels", antwortete der Fuchs.




Der Löwe mit anderen Tieren auf der Jagd

Ein Löwe, ein Fuchs und noch andere Tiere gingen zusammen auf die Jagd. Der Löwe hatte beteuert, dass er später die Beute redlich teilen werde. Als nun ein Hirsch im Sumpf stecken blieb, meldete der Fuchs es dem Löwen.
Der Löwe eilte herbei, erwürgte den Hirsch und teilte die Beute in vier gleiche Teile. Dann sagte der Löwe zu den Umstehenden: "Der erste Teil gehört mir, weil ich der Löwe bin. Der zweite Teil ist mein, weil ich der Mutigste unter euch bin. Den dritten Teil solltet ihr nur dem Stärksten überlassen. Und ich werde jeden auf der Stelle erwürgen, der mir den vierten Teil absprechen will!"
So behielt der Löwe den ganzen Hirsch, und seine Jagdgenossen wagten es nicht, darüber zu klagen.




Der Löwe und der Esel

Einst schlossen der Löwe und der Esel ein Bündnis, und sie gingen zusammen auf die Jagd. Es war schon Mittag, da kamen sie an eine Höhle, in welcher wilde Ziegen waren.
Der Esel trat in die Höhle und machte so viel Geschrei, dass die erschreckten Tiere herausflohen. Der Löwe aber blieb am Ausgang stehen und schnappte nach allem, was herauskam.
Nachdem der Löwe fast alle Ziegen ergriffen hatte, trat der Esel ins Freie und fragte seinen Gefährten: "Habe ich nicht tapfer gekämpft und die Ziegen ordentlich herausgescheucht?" Der Löwe antwortete: "Gewiss doch! Hätte ich nicht gewusst, dass da ein Esel in der Höhle schreit, ich hätte mich schrecklich gefürchtet."




Der Löwe und die Mücke

Eine Mücke forderte übermütig einen Löwen zum Zweikampf heraus. "Ich fürchte dich nicht, du großes Ungeheuer", rief sie ihm zu, "weil du gar keine Vorzüge vor mir hast. Wenn doch, dann nenne sie mir! Und komme mir nicht damit, dass du deine Beute mit Krallen zerreißen und mit Zähnen zermalmen kannst. Jedes andere feige Tier kratzt und beißt, wenn es kämpfen muss. Ich werde dich schon lehren, dass ich stärker bin als du!"
Mit diesen Worten flog die Mücke dem Löwen in ein Nasenloch und stach ihn so sehr, dass dieser vor Schmerz fast den Verstand verlor und sich geschlagen gab.
Stolz auf diesen Sieg flog die Mücke davon, um es aller Welt zu verkünden. Dabei übersah sie das Gewebe einer Spinne und verfing sich darin. Gierig umarmte die Spinne das kleine Mückchen und sog ihr das Heldenblut aus.





Der Löwe und die Ziege

Der Löwe sah die Ziege einst auf einem steilen Felsen. Da rief der Löwe: "Komm doch auf diese schöne fette Wiese herab. Hier findest du die trefflichsten Gräser und Kräuter. Dort oben wirst du nur Hunger leiden."
Die Ziege überlegte nicht lange und antwortete: "Ich danke dir für den klugen Rat. Aber mir scheint, dir liegt wohl mehr an meinem Fleische als an meinem Hunger. Hier oben bin ich vor dir sicher. Dort unten würdest du mich sofort verschlingen."




Der Pfau und die Dohle

Ein Pfau und eine Dohle stritten sich, wer die besseren Eigenschaften habe. Der Pfau brüstete sich mit dem Glanz, der Farbe und der Größe seiner Federn.
Die Dohle gab dieses zu, sagte aber noch: "All diese Schönheiten taugen nicht zur Hauptsache - zum Fliegen." Darauf schwang sich die Dohle in die Lüfte, und der Pfau blieb beschämt am Boden zurück.





Der wilde Hund

Ein wilder Hund fror im Winter jämmerlich. Er kroch in eine Höhle und rollte sich zusammen. Vor Kälte zitternd sprach er zu sich selbst: "Wenn es wieder Sommer ist, will ich mir eine Hütte bauen, damit ich im nächsten Winter nicht mehr frieren muss."
Als dann der Sommer mit seiner wohltuenden Wärme kam, hatte der wilde Hund seine guten Vorsätze schon wieder vergessen. Er lag da, reckte und streckte sich, blinzelte behaglich in die Sonne und dachte nicht mehr daran, sich eine Hütte zu bauen.
Es kam der nächste Winter. Und der war so bitter kalt, dass der Hund schließlich mausetot und hart gefroren auf der Erde lag.




Der Wolf und der Kranich

Ein Wolf hatte ein Schaf erbeutet. Er verschlang es so gierig, dass ihm ein kleiner Knochen hinten im Rachen stecken blieb. Aus lauter Not setzte der Wolf ein Belohnung aus, wenn ihn jemand von diesem Übel befreien würde. Das hörte der Kranich und kam herbei. Mit seinem spitzen Schnabel gelang ihm auch die Kur, und er forderte den versprochenen Lohn.
"Was?", knurrte der Wolf zornig. "Du Unverschämter! Ist es dir nicht Belohnung genug, dass du deinen Kopf heil aus meinem Wolfsrachen bekommen hast? Geh heim und sei dankbar, dass ich dich verschont habe."




Die beiden Hähne

Zwei Hähne kämpften miteinander um die Hennen, und der eine behielt die Oberhand. Niedergeschlagen ging der Verlierer davon und versteckte sich an einem dunklen Ort. Der Sieger aber flog auf einen alten Bretterzaun und krähte mit lauter Stimme.
Plötzlich schoss ein Adler herab und packte den Hahn mit seinen scharfen Klauen. Da war es um den siegreichen Hahn geschehen. Der versteckte Hahn sah es und gesellte sich nun doch noch zu den Hennen.




Die Dohle und die Tauben

Eine Dohle sah, wie schön die Tauben es in ihrem Verschlag hatten. Da färbte sich die Dohle heimlich weiß und ging zu den Tauben, um es ebenso gut zu haben. Die Dohle verhielt sich ruhig und unauffällig, sodass die Tauben der Meinung waren, sie hätten ihresgleichen vor sich. Eines Tages aber vergaß sich die Dohle, machte den Schnabel auf und krächzte. Die Tauben erkannten sofort, mit wem sie es zu tun hatten und jagten sie fort.
Mit der guten Kost im Taubenschlag war es nun vorbei, und die Dohle kehrte traurig zu ihren Artgenossen zurück. Doch diese erkannten sie wegen ihrer weißen Farbe auch nicht mehr und jagten sie ebenso fort.
So hatte die Dohle nun zweierlei gewollt, aber weder das eine noch das andere erreicht.





Die Hasen und die Frösche

Die Hasen klagten einst über ihre missliche Lage. "Wir leben", sprach ein Redner, "dauernd in Furcht vor Menschen und Tieren. Wir sind die Beute der Hunde, der Adler, ja fast aller Raubtiere! Unsere Angst ist schlimmer als der Tod selbst. Auf, lasst uns ein für alle Mal sterben."

In einem nahe gelegenen Teich wollten sich die Hasen nun ersäufen und eilten darauf zu. Doch das außerordentliche Getöse und die wundersamen Gestalten erschreckten eine Menge Frösche, die am Ufer saßen. Die Frösche sprangen ins Wasser und tauchten schnell unter.
"Halt!", rief der Sprecher der Hasen. "Wir wollen das Ersäufen noch ein wenig aufschieben. Wie ihr seht, steht zu befürchten, dass einige Tiere wohl noch ängstlicher und unglücklicher als die Hasen sind."





Die Fledermaus

Eine Fledermaus fiel ins Gras. Sofort stürzte ein Wiesel herbei und drohte, die Fledermaus zu verspeisen. "Ach", piepste die Fledermaus in Todesangst, " was tust du nur? Lass mich doch am Leben!" "Ich kann nicht", fauchte das Wiesel, "denn ich hasse dich, weil ich alle Vögel hasse."
Die Fledermaus überlegte kurz und rief: "Aber ich bin doch gar kein Vogel. Und ich kann die Vögel auch nicht leiden. Ich bin doch eine Maus!" Da ließ das Wiesel die Fledermaus am Leben.
Kurze Zeit später stürzte die tollpatschige Fledermaus wieder ins Gras. Und wieder war ein Wiesel schon dabei, ihr den Hals durchzubeißen. Das Wiesel knurrte: "Ich werde dich augenblicklich fressen, denn ich hasse alle Mäuse, also auch dich!"
Da beteuerte die Fledermaus schnell: "Schau her, ich bin doch gar keine Maus, und ich kann die Mäuse überhaupt nicht leiden! Ich habe doch Flügel, wie ein Vogel!" "Was du nicht sagst", antwortete das Wiesel, "da muss ich mich wohl entschuldigen!"
So kam die Fledermaus auch dieses Mal mit dem Leben davon.





Die Krähe und andere Vögel

Eine eitle Krähe wollte schöner sein, als sie wirklich war. Sie schmückte sich mit allerlei bunten Federn von anderen Vögeln, hauptsächlich von Pfauen.
Die Vögel aber fielen über sie her und entrissen ihr nicht nur die geraubten Federn, sondern auch einen Teil ihrer eigenen. Das taten die Vögel, weil sie die Eitelkeit der Krähe bestrafen wollten, und weil sie das Eigentumsrecht an ihren Federn wahren wollten.
Da flog sie nun, die armselige Krähe. Ein Spott für ihre Verwandten und eine Warnung vor allzu großer Eitelkeit.
Die Löwin und die Füchsin
Eine Füchsin war auf ihre Fruchtbarkeit sehr stolz. Darum beschimpfte sie eine Löwin, dass sie immer nur ein einziges Junges zur Welt bringen könnte.
Die Löwin antwortete: "So ist es, ich bringe nur eines zur Welt. Aber das ist dann ein Löwe."





Die Schildkröte und der Hase

Eine Schildkröte wurde wegen ihrer Langsamkeit von einem Hasen verspottet. Trotzdem wagte sie es, den Hasen zum Wettlauf herauszufordern. Der Hase ließ sich mehr aus Scherz als aus Prahlerei darauf ein.
Es kam der Tag, an dem der Wettlauf stattfinden sollte. Das Ziel wurde festgelegt und beide betraten im gleichen Augenblick die Laufbahn.
Die Schildkröte kroch langsam und unermüdlich. Der Hase dagegen legte sich mit mächtigen Sprüngen gleich ins Zeug, wollte er den Spott für die Schildkröte doch auf die Spitze treiben. Als der Hase nur noch wenige Schritte vom Ziel entfernt war, setzte er sich schnaufend ins Gras und schlief kurz darauf ein. Die großen Sprünge hatten ihn nämlich müde gemacht.
Doch plötzlich sah sich der Hase vom Jubel der Zuschauer geweckt, denn die Schildkröte hatte gerade das Ziel erreicht und gewonnen.
Der Hase musste zugeben, dass das Vertrauen in seine Schnelligkeit ihn so leichtsinnig gemacht hatte, dass sogar ein langsames Kriechtier ihn mit Ausdauer besiegen konnte.




Die Schlange und der Landmann

Eine Schlange, die ihren Unterschlupf im Vorhof eines Landmannes hatte, tötete dessen kleines Kind.
In seiner Betrübnis ergriff der Vater einen langen Spieß und wollte die Schlange töten. Als diese ihren Kopf ein wenig aus ihrem Versteck streckte, stach der Vater hastig zu. Doch er verfehlte den Kopf und hackte nur in den Boden.
Die Schlange war nun wieder in ihrem Unterschlupf und der Landmann überlegte, wie man sie herauslocken könnte. Schließlich nahm er etwas Brot und Salz und setzte es vor die Höhle. Die Schlange aber zischte leise und sprach: "Wie soll zwischen uns Zutrauen und Freundschaft herrschen, solange ich den Spieß sehe, und du das Grab deines Kindes."





Die Taube und die Krähe

Eine Taube brüstete sich vor anderen Vögeln mit ihrer Fruchtbarkeit und rief: "Ich brüte jedes Jahr acht bis zwölf Junge aus, füttere sie und lehre sie das Fliegen. So lebe ich froh mit Kindern, Enkeln und Urenkeln. Dagegen seid ihr anderen Vögel doch schon froh, wenn ihr mal ein Pärchen aufgezogen habt."
"Sei nur still!", rief eine Krähe, die dies mit anhörte. "Du prahlst da mit etwas, das dir viel Kummer und Leid verursacht! So viele Junge du auch hast, so oft musst du um sie trauern. Kaum haben die Kleinen ihre ersten Federn, landen sie auch schon auf den Tafeln der Menschen."





Jupiter und die Bienen

Die Bienen waren unwillig darüber, dass sie nur für die undankbaren Menschen arbeiten sollten. Also brachten sie Jupiter die feinsten Waben als Gabe. Dann wünschten sie sich, der Gott möge ihren Stacheln die Eigenschaft verleihen, empfindliche Schmerzen zu verursachen.
"Es sei", sprach Jupiter, "aber so, dass auch ihr zugleich mit dem Stachel euer Leben lasst!" Denn Jupiter war erzürnt über die Rachgier dieser kleinen Tierchen.





Vom Fuchs und Hahn

Einst kam ein hungriger Fuchs in ein Dorf und fand einen Hahn. Der Fuchs sprach: "Oh Herr Hahn, welch schöne Stimme hat dein Herr Vater gehabt! Ich bin nur hierher gekommen, weil ich deine Stimme hören möchte. Darum bitte ich dich! Singe mit lauter Stimme, damit ich hören kann, ob du eine schönere Stimme hast als dein Vater."
Da schüttelte der Hahn sein Gefieder, und fing mit geschlossenen Augen auf das Lauteste an zu krähen. Der Fuchs aber sprang schnell auf, schnappte sich den Hahn und trug ihn in den Wald. Als die Bauern das merkten, liefen sie dem Fuchs hinterher und schrien: "Der Fuchs trägt unseren Hahn hinfort!" Der Hahn hörte es und sprach zu dem Fuchs: "Hörst du, Herr Fuchs, was die groben Bauern sagen? Gib ihnen diese Antwort: 'Ich trage meinen eigenen Hahn und nicht den Euren'."
Da ließ der Fuchs den Hahn aus dem Maule und rief den Bauern zu: "Ich trage meinen eigenen Hahn und nicht den Euren." Das nutzte der Hahn aus, flatterte geschwind auf einen Baum und sprach: "Du lügst, Herr Fuchs, du lügst! Ich gehöre den Bauern, bei Leibe nicht dir."
Da schlug der Fuchs sich selbst mit den Pfoten aufs Maul und sprach: "Oh du böses Maul, was schwätzest du? Wie viel Nutzloses redest du? Hättest du jetzt nicht geredet, so hättest du dein Festmahl nicht verloren."





Zwei Freunde und ein Bär

Zwei Freunde versprachen, sich immer treu beieinander zu stehen. So traten sie eine lange Wanderschaft an.
Auf einem engen Waldweg kam ihnen plötzlich ein Bär entgegen. Mit vereinten Kräften hätten sie ihn vielleicht bezwungen, aber dem einen war sein Leben zu lieb. Er kümmerte sich nicht mehr um sein Versprechen und kletterte schnell auf einen Baum. Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er gerade noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und tot zu stellen. Denn er hatte gehört, dass der Bär einen Toten nicht anrührt.
Der Bär kam nun herbei, beleckte die seltsame Gestalt an den Ohren und warf sie mit der Schnauze einige Male herum. Dann trabte der Bär davon, weil er den leblosen Körper für tot hielt.
Kaum war die Gefahr vorüber, stieg der Geflohene vom Baume herab und fragte seinen Gefährten voller Neugier, was ihm der Bär zugeflüstert habe? "Er hat mich vor schlechten Freunden gewarnt", antwortete dieser.

27.9.06 20:40

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen